Montagsakademie - Live - Übertragung in der Stadtbibliothek Knittelfeld

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montagsakademie

21. Mai 2012 - Globale Tourismusethik - gibt es das? Zusammenhänge zwischen individueller Ethik und kollektiver Nachhaltigkeit.

19.00 Uhr, Stadtbibliothek Knittelfeld, Untergeschoss

 

Das Ansinnen, Tourismus als Querschnittsmaterie, globales System und kulturelles Selbstverständnis des Westens "richtig" zu steuern gleicht dem Ziel, den gesamten Globus in den Griff zu bekommen. Doch wie lassen sich viele Millionen Individuen beeinflussen? Wie "ticken" Touristen - und was motiviert Unternehmer überhaupt?
Angesichts dieser komplexen Herausforderungen kann Ethik nur als persönliches Entscheidungssystem verstanden werden, um die sich wandelnde Welt, wie wir sie individuell wahrnehmen, in einem relativen Gleichgewicht zu balancieren. Es geht also nicht um die "beste" Lösung, als vielmehr die im Augenblick bestmögliche durchsetzbare Lösung. Darum kann Nachhaltigkeit immer nur das vorläufige, situatives und kontextuelles Ergebnis einer kollektiven Willensbildung sein, niemals aber die "Weisheit" eines Einzelnen: ein Lernprozess also, der nie endgültig ist - und darum auch nicht für alle jederzeit gültig.
Die Herausforderung für (Tourismus-)Ethik und Nachhaltigkeit besteht somit in der bestmöglichen Herstellung von "Partizipation" - der breiten Einbindung der Sicht Betroffener...
Die Rahmenbedingungen für solche "vorläufig richtigen" Entscheidungen sind hingegen für alle Menschen gleich: die Begrenztheit von Ressourcen (Geld, Zeit...), das Lebensprinzip der Balance und der Maßstab der Stimmigkeit zwischen Wahrnehmung, Bedürfnissen und Handlungen. Darum streben Tourismusethiker in der Praxis danach, die Handlungskompetenz von Reisenden zu fördern, um sie zu bestmöglichen Vorgehensweisen zu befähigen, die auch der bereisten ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Umwelt gut tun.


MMag. Dr. Harald A. Friedl, Gesundheitsmanagement im Tourismus, FH Joanneum
Harald A. Friedl, Jurist und Philosoph, forscht seit den späten 90er-Jahren über die breiten
Zusammenhänge und Widersprüche zwischen Tourismus, Nachhaltigkeit und Ethik und trug durch seine
Publikationen "Respektvoll reisen" (2002) und "Tourismusethik" (2002) wesentlich zur Einführung des
Begriffs "Tourismusethik" in die Nachhaltigkeitsdebatten bei. Um die Aspekte Sicherheit und Terrorismus
erweiterte sich sein Spektrum im Rahmen seiner Dissertationsforschung über nachhaltigen Tuareg-
Tourismus in der Zentralsahara, wo er auch nach Tuareg-Tradition heiratete.
Der langjährige Reiseleiter lehrt am Studiengang "Gesundheitsmanagement im Tourismus" der FH
JOANNEUM in Bad Gleichenberg internationale Tourismuspolitik, Soziologie, Ethik und Nachhaltigkeit
und trainiert die Bundesheer-Friedenstruppe in interkultureller Kompetenz.
Jüngste Buchveröffentlichungen: "KulturSchock Tuareg" (2008) im Reise-Know-how-Verlag (Bielefeld)
und "Reisen zu den 'Wüstenrittern’. Ethno-Tourismus bei den Tuareg aus Sicht der angewandten
Tourismus-Ethik" (2009) im Bautz-Verlag (Nordhausen).
Gastprofessuren an der Universität Veszprem (Ungarn) und der FH für Nachhaltigkeit in Eberswalde
(BRD).
Daten: Seit 2004 Lehrstuhl für angewandte Freizeitwissenschaften an der FH JOANNEUM, Bad
Gleichenberg, Studiengang "Gesundheitsmanagement im Tourismus"
Derzeitige Forschungsschwerpunkte: Angewandte Tourismusethik und Change Management,
Konfliktmanagement, Integration von Gesundheit und Nachhaltigkeit im Tourismus