Chronik

Vom Orte Knittelfeld ist erstmals in der lateinischen Urkunde vom 1. August 1224 die Rede. Es wird die Kirche in dem Orte (ecclesia in Chnvtelveld) erwähnt und ein Zehentstreit, in dem sich Domstift Seckau für die Pfarre Kobenz und Stift St. Lambrecht für Lind als Anspruchsberechtigte gegenüberstehen. Seit Jahrhunderten erhielt sich im Volke die Sage, die Ursiedlung des Ortes habe sich in der Nähe der jetzigen Friedhofskirche, St. Johann im Felde, befunden.

 

Diese älteste Zeit gibt mangels Urkunden ungelöste Rätsel auf. Der Name verrät, daß Knittelfeld auf gerodetem Boden erstanden war. Es ist aber bis jetzt noch nicht gelungen, darüber Gewißheit zu erlangen, ob und wann eine Umsiedlung des Ursprungsortes von der Altkirche weg erfolgte, und zwar an jener Stelle etwa 1 km weiter östlich davon, wo die Altstadt von Knittelfeld errichtet wurde. Auf der steil gegen das Murufer abfallenden Schotterterrasse eines Ingeringarmes war der Ort wehrtechnisch besser geschützt. Es weist vieles darauf hin, daß die Verlegung des Ortes etwa um 1265 von Ottokar, dem Böhmenkönig, veranlaßt wurde. Dafür spricht der Vergleich der Pläne der Altstadt von Knittelfeld mit denen von Leoben und Bruck an der Mur. Knittelfeld wäre somit zweimal gegründet worden.

 

Der neue Ort hatte es nicht leicht, sich Geltung zu verschaffen. Zwar waren Knittelfeld am 12. September 1302 von Herzog Rudolf II. alle jene Rechte zugestanden worden, "die auch Judenburg die Stadt hat", doch wirkte sich dieses Privileg (dessen Original im Steiermärkischen Landesarchiv vorhanden ist) praktisch nicht so aus, obwohl die Knittelfelder damals sogar behaupteten, sie könnten bereits auf ältere Rechte verweisen, die ihnen etwa Ottokar könnte zugestanden haben (1265). Knittelfeld konnte sich gegen die ältere Handelsstadt Judenburg nicht behaupten, die durch das Niederlagsrecht der italienischen Händler bevorzugt war und war auch gegen Leoben im Nachteil, wo sich der Eisenhandel abwickelte. So blieb Knittelfeld lange die Stadt im Schatten, wo sich einige metallverarbeitende Betriebe, wie Hammerwerke, Sensen-, Werkzeug- und Kupferschmieden zu bescheidenem Wohlstand entwickeln konnten, während man die bürgerliche Bevölkerung, die Handel und Gewerbe in örtlicher Begrenzung betrieb, als Ackerbürger bezeichnete.

 

Neben zwei bis drei Handelsleuten, einigen Krämern und den Fleischern und Bäckern, die den Ort mit Lebensmitteln versorgten, findet man schon sehr früh nebst Bauhandwerkern, Hafner, Lederer, Kürschner, Weißgerber sowie Schuster und Schneider. Gewerblicher Fleiß und handwerkliche Geschicklichkeit waren die Grundlage des bürgerlichen Fortkommens. Auch der Weinhandel und dessen Ausschank war den Bürgern seit altersher zugestandenes Recht, wie sich auch bis in das 19. Jahrhundert zwei Bierbrauereien im Ort erhielten und zahlreiche Gastwirte.

 

Über die selbständige Verwaltung sind wir durch einen Kaufbrief aus dem Jahre 1301 unterrichtet, in dem der Stadtrichter, die 12 Geschworenen und die "Gemeine" erwähnt sind. Diese 12 Ratsherren, mit dem Stadtrichter an der Spitze, bildeten den inneren Rat, dem die Hauptlast der Verwaltung und Verantwortung oblag. Die unter dem Sammelnamen "Die Gemeine" zusammengefaßte Bewohnerschaft bekam erst später mit dem äußeren Rat, den "Sechsern", sechs Männer ihres Vertrauens, einen Einfluß auf die Verwaltung.

 

Ein wichtiges Privileg war die Verleihung der Blutgerichtsbarkeit von 1447 und das der Stadt 1476 zugestandene Recht, einen ihrer Bürger zum Richter zu erwählen, während er bisher vom Landesfürsten eingesetzt wurde. Die Liste der Stadtrichter ist seit dem 13. Jahrhundert bekannt; bis zum Jahre 1788, da erstmals ein Bürgermeister an die Spitze der Stadtverwaltung trat.

 

So wie im 16. und 17. Jahrhundert der Glaubensstreit die Bevölkerung in Stadt und Land entzweite, gaben auch später große geistige Strömungen mit ihren politischen Auswirkungen Anlaß zu inneren Spannungen. So fand auch der Ruf der französischen Revolution hier seinen Widerhall und forderte später in langwierigen blutigen Kämpfen seine Opfer im ganzen Lande.

 

Eine ganz entscheidende Wendung im weiteren geschichtlichen Ablauf brachte das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hereinbrechende Zeitalter der Industrie und Technik, das mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie durchs obere Murtal eingeleitet wurde. In Knittelfeld wurden Heizhäuser und Eisenbahnwerkstätten errichtet, und bald darauf siedelte sich auch die Haardtsche Metallwarenfabrik, die Spätere Austria Emailfabrik, hier an.

 

Diese Betriebe erforderten technisch geschulte Kräfte. Durch lebhafte Zuwanderung, vielfach aus den Sudetenländern, aus Slowenien und der Krain, aber auch besonders aus dem Nachbarlande Kärnten, vollzog sich eine Umschichtung der Bevölkerung der alten Kleinstadt.

 

Die Anfänge der Wohnungsnot reichen in jene Zeit des überraschenden Bevölkerungszuwachses zurück, was auch zu Spannungen Anlaß gab. Im Laufe von 10 Jahren hatte sich die Bevölkerungszahl der Stadt verdoppelt und war von 1860 bis 1870 von etwa 1000 Einwohnern auf 2000 gestiegen. Sie vervielfachte sich weiterhin bis auf 10.000 im Jahre 1910. Derzeit beträgt die Einwohnerzahl rund 14.500.

 

Vor etwa 170 Jahren, da noch niemand ahnen konnte, welch schlimme Schicksalsschläge noch bevorstehen könnten, hatte man in einem Marmortafel der an die Pest im Jahre 1713 erinnernden Gedenksäule die Worte meißeln lassen. "Des Drangsals viel hat diese Stadt erfahren. Und viel gelitten in dem Sturm der Zeit..." Darunter findet man die Jahreszahlen, die auf verheerende Brände hinweisen und andere, die an die Franzoseneinfälle erinnern. Inzwischen hatte mit der Bombardierung der Stadt im Jahre 1945 der Leidensweg eine Fortsetzung gefunden und ein unvorstellbares Ausmaß an Tod und Zerstörung gebracht.