Welche Auswirkungen haben die demografischen Entwicklungen auf Österreich und die Steiermark ?
Wie alle industrialisierten Länder erlebt auch Österreich einen Rückgang der 3-Generationen und 2-Generationen-Haushalte und eine erhebliche Zunahme der 1-Generationen- bzw. 1-Personen-Haushalte.
In manchen Städten sind es fast 50 %.
Bereits 35 % aller Haushalte in Österreich sind Single-Haushalte.
Gleichzeitig gibt es aber eine Zunahme der 4- oder sogar 5-Generationen-Familien.
Vor 100 Jahren hat kaum ein Kind alle seine vier Großeltern erleben können, heute erlebt es im Allgemeinen auch noch zwei Urgroßeltern.
Vater und Sohn, Mutter und Tochter gleichzeitig im Rentenalter, das ist heutzutage keine Seltenheit.
Und die Lebenserwartung steigt ungebrochen weiter :
Heute geborene Mädchen können mit 82 Jahren rechnen, ihre Enkelinnen, die um 2050 geboren werden, können schon mit 87 Jahren rechnen.
Das bedeutet, dass im Jahr 2050 eine 60 Jahre alte Frau durchaus gute Chancen hat, das 90. Lebensjahr zu erreichen. Damit ist aber auch das aus heutiger Erfahrung kritische Pflegeanfallsalter von 80 Jahren mit allen finanziellen Auswirkungen deutlich überschritten.
Anfang der 70er Jahre gingen die Männer im Schnitt mit 62 Jahren in Pension und starben mit 66,5.
Heute gehen sie im Schnitt mit rund 59 Jahren in Pension - mit der realistischen Aussicht, den 80er zu erleben.
Einst 4,5 Jahre Pension, heute mehr als 20 Jahre Pension, wie soll sich das finanziell ausgehen ?
Trotzdem wird die demografische Situation in Österreich nie wieder so günstig sein wie derzeit :
Wenigen Alten (die dezimierte Kriegsgeneration) stehen sehr viele Babyboomer der 60er und 70er Jahre im Erwerbsleben gegenüber.
Das heute schon von Finanzierungsproblemen der Pensionskassen gesprochen wird, macht daher äußerst bedenklich !
Da sich Österreich seit den frühen 1970er Jahren nicht mehr reproduziert, wird sich diese Situation sehr bald dramatisch ändern.
Seit damals bleibt die Kinderzahl pro Frau hartnäckig unter zwei, derzeit liegt sie bei statistischen 1,4 Kindern.
Das Österreich paradoxerweise trotzdem noch nicht schrumpft, hat zwei Ursachen, die in den 90er Jahren ihre Wurzeln haben :
Einerseits bescherten der Fall des Eisernen Vorhangs und die Balkan-Kriege Österreich hunderttausende Zuwanderer.
Andererseits bekamen die letzten wirklich starken Jahrgänge der 60er-Jahre ihre Kinder.
Obwohl es oft bei nur einem Kind blieb, gab es verhältnismäßig viel Nachwuchs - ganz einfach deshalb, weil so viele Mütter da waren.
Heute schaut die Sache aus dem völlig gleichen Grund ganz anders aus:
Selbst wenn die Fertilität schlagartig auf zwei Kinder pro Frau ansteigen würde - wofür es nicht den kleinsten Hinweis gibt - würde die Bevölkerung schrumpfen.
Ganz einfach deshalb, weil so wenig potenzielle Mütter da sind.
Eine erhöhte Geburtenrate jetzt würde erst in 30 Jahren die Schrumpfung der Bevölkerung beeinflussen und erst in 60 Jahren zu einem spürbaren Anstieg der Bevölkerungszahl führen.
Kippen wird die demografische Entwicklung spätestens dann, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge in die Fertilität kommen.
Dann geht?s rasch bergab. Diese Wende wird mit Sicherheit in ein paar Jahren passieren.
Die Prognose der Statistik Austria zeigt, welch gewaltige Herausforderungen auf Österreich zukommen.
Bis 2030 wird es keine markante Änderung der Bevölkerungsgröße geben, sehr wohl aber eine dramatische Verschiebung der Altersstruktur Richtung Alt und Uralt mit ebenso dramatischen Konsequenzen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Sozialsysteme.
Während die Zahl der Kleinsten, der Kindergartenkinder und der Schüler nach und nach massiv sinkt, wird sich die Generation der Betagten verdoppeln. 2030 werden in Österreich fast 600.000 über 80-jährige, aber nur noch etwa 200.000 Kleinkinder leben. Hohe Belastungen für die österreichischen Gemeinden auf allen Ebenen - Stichwort Geriatrien statt Kindergärten - liegen da auf der Hand.

